Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg e.V.
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Vielfalt mischt mit – Jugend“MAXI“konferenz in Stuttgart

Bericht von der Jugendkonferenz am 21.11.15 mit Sozialministerin Katrin Altpeter

Videobeitrag Maxikonferenz (lang)

Videobeitrag Maxikonferenz (kurz)

Videobeitrag RegioTV

"Das Hinterfragen dürfen wir uns nicht nehmen lassen!"

 

Die "Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg e.V." veranstaltete eine gut besuchte Jugendkonferenz zum Thema "Vielfalt in unserer Gesellschaft" – Ministerin Altpeter lobte das Engagement der Teilnehmer_innen

 

Es sind ihre eigenen Fragen, die von den jungen Menschen am Ende der Konferenz vorgestellt werden: "Wie meistern wir die Integration von Flüchtlingen?" Oder: "Wo bleibt uns Schülern noch Zeit für`s freiwillige Engagement?" Es sind ihre eigenen Empörungen: "Warum haben Homo-Ehepaare weniger Rechte?" Oder: "Wer kann sich eine Stadtwohnung noch leisten?" Und es sind ihre eigenen Klagen und Forderungen: "Was kann man tun, damit der Islam nicht zum absoluten Feindbild wird?". Oder: "Ausländische Schul- und Ausbildungsabschlüsse müssen in Deutschland leichter anerkannt werden!".

 

Rund 150 Teilnehmer_innen aus der Region Stuttgart und Baden-Württemberg erörterten unter dem Motto "Vielfalt mischt mit! – Jugend»MAXI«konferenz" am vergangenen Wochenende ihre Lebenssituation und ihre Zukunftswünsche. Vielfalt wurde dabei konkret gelebt und erlebt: beteiligt waren Jugendliche und junge Erwachsene mit oder ohne ausländischen Wurzeln, Behinderungen oder nicht-heterosexueller Orientierung. Einen Tag lang diskutierten sie gemeinsam Fragen zu Identität, Werten, Chancen und Engagement – und kamen dabei mit 30 eigens eingeladenen "Entscheider_innen" ins Gespräch, wichtigen Multiplikator_innen aus Politik, Verwaltung, Wirtschaft und Gesellschaft. Prominentester Gast im Jugendhaus Ostend war dabei Baden-Württembergs Sozialministerin Katrin Altpeter. Im lockeren Vorstellungsspiel zu Beginn stellte sich die Ministerin den Jugendlichen als gelernte Altenpflegerin vor. In ihrer anschließenden Ansprache beklagte sie, dass Menschen oft aufgrund äußerer Merkmale unter Vorurteilen und Klischeedenken zu leiden hätten und sie sprach den anwesenden Jugendlichen ihre Anerkennung dafür aus, dass sie sich "aktiv in die Gestaltung einer vielfältigen, lebendigen Gemeinschaft einbringen".

 

An runden Tischen setzten sich die Teilnehmer_innen in kleinen Gruppen zusammen und diskutierten lebhaft "ihre" Themen. Ganz besonders stark umringt wurde der Tisch mit der Überschrift "Glauben und Werte". Die Rolle der Religionen im Hinblick auf Krieg, Flucht und Terror beschäftigte viele. "Wer die Verantwortung abgibt an die Religion, der hat es einfacher", erklärte sich eine junge Frau den Zulauf extremistischer Kreise. "Es ist super einfach, wenn Du nicht mitdenken musst, sondern gesagt bekommst, was gut und was böse ist." "Aber genau das Hinterfragen", warf ein junger Mann ein, "das dürfen wir uns nicht nehmen lassen!". Der Nachbar stimmte ihm zu: "Gott will es so - mit diesem Satz habe ich riesige Probleme!". Und dann schilderte der junge Mann mit türkischen Wurzeln, wie schwer es für ihn war und immer noch ist, seine Homosexualität zu leben. Eine "Entscheiderin" am Tisch, Scheidungsanwältin von Beruf, erzählte von Familientragödien aus ihrer Praxis, die auf verschwiegener Homosexualität eines Partners beruhen und die sich über Jahrzehnte hinziehen. Niemand wollte da aufstehen, als der Gong das Ende der Diskussionszeit markierte.

 

Auch an den anderen Tischen wurde eifrig diskutiert und die eingeladenen Fachleute erfuhren hautnah, was junge Menschen erleben, was sie befürchten und was sie träumen. "Sinn des Lebens", "Vielfalt und Freizeitangebote", "Mein Engagement", "Mein Beruf", "Freundschaft, Partnerschaft, Familie", "Vielfalt und Mobilität" lauteten einige der weiteren Überschriften. Die wichtigsten Fragestellungen der Jugendlichen, Wünsche und Forderungen wurden notiert und im Abschlussplenum allen vorgetragen. Aber damit nicht genug, so Organisator Heiko Bäßler vom Stuttgarter "Büro und Netzwerk der Vielfalt". Zum einen werden die Ergebnisse den beteiligten "Entscheider_innen " übermittelt. "Zum anderen wird bei einer Folgekonferenz am 15.12. gemeinsam mit den jungen Menschen eine Strategie für die einzelnen Themen entwickelt", so Bäßler. "Wir werden uns genau anschauen, welche Fragen oder Themen wir an wen weitergeben - und dann auch um Antworten bitten".

 

Ganz praktisch wurde „Vielfalt in Begegnung“ nach dem Mittagessen erlebbar. Hier stand mit gemeinsamen Spielen und Aktionen der gemeinsame Spaß im Vordergrund, aber auch das Erleben von Neuem und Ungewohnten. Das Team von aus:sicht mobil war mit verschiedenen Stationen für die „Sensibilisierung eines Leben ohne Lichteinflüsse“ vor Ort. Ausprobiert werden konnte z.B. das Gehen mit dem Blindenstock (richtig heißt das „Langstock“) oder das Schreiben mit einer Blindenschreibmaschine. Eine besondere Erfahrung für die Teilnehmer_innen war das Betrachten ihrer Tagungsergebnisse mit den Simulationsbrillen, die verschiedene Seheinschränkungen nachempfinden lassen: „Oje – das kann ich ja gar nicht lesen“ war hier nicht nur einmal zu hören. Großen Spaß machte die Station „Blindenfußball“, die von Mitarbeiter_innen des Kubus e.V. (Kultur und Begegnung von Menschen in unterschiedlichen Situationen) angeboten wurde.

 

Vorausgegangen waren der "Maxi-Konferenz" viele dezentrale Minikonferenzen in unterschiedlichen Peergruppen, bei denen rund 400 Jugendliche und junge Erwachsene beteiligt waren. Mit dieser Vorbereitung und mit der Konferenz an sich ist, so Gökay Sofuoğlu (Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg, Landesvorsitzender/ Türkische Gemeinde in Deutschland, Bundesvorsitzender), "ein breiter Dialog darüber entstanden, was Vielfalt für uns alle bedeuten kann.“

 

Auch sind die Veranstaltungen als Bestandteil des „Strukturierten Dialoges“ Teil einer europaweiten Diskussion von jungen Menschen und verantwortlichen Entscheider_innen, kofinanziert durch die Europäische Union, Erasmus+ und JUGEND für Europa.

 

 „Es war sehr beeindruckend zu erleben, dass trotz ganz unterschiedlicher Lebenssituationen viele gleich klingende, gemeinsame Ideen aufgetaucht sind. Nicht die Hürden, die uns trennen, standen im Vordergrund, sondern die Fragen, die uns verbinden" resümiert Sofuoğlu zufrieden.

 

„Vielfalt mischt mit – Jugendkonferenzen 2015“ war eine Veranstaltung der „Türkischen Gemeinde in Baden-Württemberg e.V.“ mit dem „Büro und Netzwerk der Vielfalt“ in Kooperation von weiteren Organisationen und Einrichtungen aus Jugend- und Jugendsozialarbeit, Interkultur/ Migration, Flüchtlingshilfe, Behindertenhilfe und LSBTTIQ.

Kofinanziert durch die Europäische Union: Erasmus+ und JUGEND für Europa

 

Als Vertreter_innen aus Politik, Fachwelt/ Wissenschaft, Verbände und Gesellschaft waren beteiligt:

  • Frau Katrin Altpeter (MdL, Ministerin für Arbeit und Sozialordnung, Familie, Frauen und Senioren Baden-Württemberg)

  • Herr Yasar Sönmez (Türkisches Generalkonsulat Stuttgart, Vize Konsul)

  • Frau Ulrike Brittinger (Staatliches Schulamt Stuttgart, Amtsleiterin, Leitende Schulamtsdirektorin)

  • Frau Dorothee Eisenlohr (Verband Region Stuttgart, Europakoordinatorin, Projektmanagerin Wirtschaft/Infrastruktur)

  • Frau Susanne Häcker (Bündnis 90/ Die Grünen, Mitglied im Reutlinger Kreisvorstand) in Vertretung für Herrn Thomas Poreski (MdL BW, Bündnis 90/ Die Grünen)

  • Frau Sibel Yüksel (Stadträtin Gemeinderat Stadt Stuttgart, FDP-Fraktion, Rechtsanwältin)

  • Frau Dr. Maria Hackl (Stadträtin Gemeinderat Stadt Stuttgart, SPD-Fraktion, Jugendhilfereferentin beim Caritasverband der Diözese Rottenburg-Stuttgart)

  • Herr Jun.-Prof. Dr. Erdal Toprakyaran (Eberhard Karls Universität Tübingen, Lehrstuhl für Islamische Geschichte und Gegenwartskultur, Zentrumsdirektor, Vorsitzender des Zentrumsrats, Mitglied der Studienkommission, Hausvogt)

  • Herr Prof. Dr. Paul-Stefan Roß (DHBW Stuttgart, Leiter des Studiengangs Soziale Dienste der Jugend-,Familien- und Sozialhilfe und wissenschaftliche Leitung Master)

  • Herr Nejdet Niflioglu (Diversitiy-Manager Daimler AG, Vorstandsvorsitzender Daimler Türk Treff)

  • Frau Heike Hornig (JUGEND für Europa Nationale Agentur für das EU-Programm Erasmus+ JUGEND IN AKTION in Bonn, Projektmonitoring und –beratung)

  • Herr Rolf Gaßmann (Landesvorsitzender des Deutschen Mieterbundes Baden-Württemberg, SPD Stuttgart)

  • Herr Can Ergun (SPD Stuttgart, Bundesvorsitzender im Netzwerk türkischstämmiger Mandatträger_innen)

  • Herr Gökay Sofuoğlu (Türkische Gemeinde in Deutschland, Bundesvorsitzender/ Türkische Gemeinde in Baden-Württemberg, Landesvorsitzender)

  • Herr Dr. Jochen Kramer (TGBW, Projektkoordinator LSBTTIQ/ Kultursensible sexuelle Orientierung und Identität, Vorstand im VLSP – Verband für lesbische, schwule, bisexuelle, trans*, intersexuelle und queere Menschen in der Psychologie)

  • Herr Olcay Miyanyedi (TGBW, Projektkoordinator LSBTTIQ/ Kultursensible sexuelle Orientierung und Identität, Religions-/Islam- und Erziehungswissenschaftler)

  • Herr Frank Baumeister (Büro und Aktionsnetzwerk der Vielfalt, Beratung für Betroffene von rechter Gewalt Baden-Württemberg, Vorstand pro Familia Waiblingen)

  • Frau Regine Vetter (Kubus e.V. – Kultur und Begegnung für Menschen in unterschiedlichen Situationen, Vorstandsvorsitzende)

  • Weitere Vertreter_innen aus den Bereichen Jugendarbeit, Interkulturelle Arbeit, Antidiskriminierungs- und Vielfalt-Arbeit

Vielen Dank an alle ehren- und hauptamtlichen Mitarbeiter_innen, Mitwirkende, Kooperationspartner_innen und Unterstützer_innen, an unsere prominenten Gäste für die lebendige Diskussion, an das Team des Jugendhaus Ostend für die viele tolle Hilfe bei Organisation und Umsetzung, an die Studierenden der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg/ Studiengang Kultur- und Medienbildung für die Veranstaltungsunterstützung, an die Teams von aus:sicht mobil und Kubus e.V. und ganz besonders an die Agentur Jugend für Europa/ Erasmus+ und die Europäische Union für die Kofinanzierung unserer Jugendkonferenzen.

Vielen Dank aber natürlich in erster Linie an alle jungen Menschen für die tolle Mitwirkung und die offenen und engagierten Diskussionen!

Wir sind gespannt was sich aus unseren Vielfalt-Konferenzen entwickelt und freuen uns über eine Weiterführung der Themen...

Flyer 21.11.2015
Flyer Maxikonferenz 21.11.2015.pdf
PDF-Dokument [113.8 KB]

Vielfalt mischt mit - Jugendkonferenzen 2015

01.01.2015 – 31.12.2015

 

„Vielfalt mischt mit" hat zum Ziel, die Lebenslagen junger Menschen mit ausländischen Wurzeln, Behinderung und nicht-heterosexueller Orientierung in den Blick zu nehmen und die Jugendlichen miteinander und mit Entscheider_innen in Kontakt zu bringen. Ihre politische Forderungen sollen so Gehör finden und ihre politische Haltung und Dialogfähigkeit gestärkt werden. Dies wollen wir mit verschiedenen Konferenzen im Jahr 2015 erreichen und umsetzen.

017_Vielfalt mischt mit.pdf
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